Was, wenn mein Mann mich nicht geistlich leitet?
- Janice Unruh

- 12. Feb.
- 8 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 20. Feb.
(Hinweis: in diesem Blog teile ich meine persönliche Erfahrung damit, geistliche Leitung neu zu verstehen. Ich spreche darüber, wie wichtig es ist, unsere Männer in ihrer einzigartigen Art zu leiten zu sehen – auch wenn sie nicht so führen, wie wir es vielleicht erwarten. Dabei geht es nicht darum, Passivität, toxisches Verhalten, geistliche Gleichgültigkeit oder emotionales Ungleichgewicht zu akzeptieren. Wenn du so etwas in deiner Ehe erlebst, darfst du wissen: Das entspricht nicht Gottes Willen für eure Ehe. Mein Herz dahinter ist, dir einen neuen Blickwinkel zu schenken bezüglich dieses Themas in Rahmen einer gesunden, liebevollen Ehe)

Mein Mann und ich könnten kaum unterschiedlicher sein. Nach meinem Schulabschluss 2015 habe ich direkt eine zweijährige theologische Ausbildung begonnen – und habe zusätzlich ein (fast abgeschlossenes) Psychologiestudium hinter mir. Mein Mann dagegen ist ein echtes Marketing-Genie.
Wo ich laut, leidenschaftlich und manchmal auch fordernd bin, ist er ruhig, zurückhaltend, leise und pflichtbewusst. Während ich mich auf einer Bühne wohlfühle und es liebe, Seminare zu halten und Menschen zu inspirieren, würde er viel lieber stundenlang am Rechner sitzen und an Strategien, Zahlen oder Formeln tüfteln.
Ich sage oft scherzhaft: Wir leben manchmal wie in zwei parallelen Welten – allein schon durch unsere Ausbildungswege und dadurch, wie wir von unserem Wesen her „gestrickt“ sind.
Von klein auf habe ich immer gehört, dass ich einen Mann suchen sollte, der geistlich leitet – einen geistlichen Führer, das Haupt des Heims. Und ehrlich gesagt habe ich das auch so von zu Hause erlebt. Mein Vater habe ich ein 80% meines Lebens mit aufgeschlagener Bibel gesehen – betend, in der Bibel lesend, Gott und Glaube war in unseren Heim kein Tabuthema dank meines Vaters dem dieses sehr wichtig war.
Da „geistliche Führung“ oft undefiniert und vage bleibt, habe ich – und wahrscheinlich viele von euch auch – darunter verstanden, Männer zu suchen, die das Mikrofon in der Hand halten, gut sprechen können, einen sichtbaren Dienst in der Gemeinde haben und tiefe geistliche Impulse weitergeben. Das war für mich geistliche Führung – oder? Da es so gut und christlich klingt, muss es wohl so sein.
Das Problem war nur: Nach dieser Definition war ich eher die „geistliche Führerin“ in unserem Zuhause – nicht mein Mann. Denn mein Mann entsprach diesem Bild einfach nicht. Zumindest nicht auf die offensichtliche, „klassische“ Art, wie geistliche Führung oft definiert wird. Was für mich ganz natürlich kommt – beten, reflektieren, studieren, lesen, sprechen – kommt für ihn nicht auf dieselbe Weise oder nicht in derselben Form.
Irgendwann auf unserem Eheweg begann in mir ein innerer Kampf – weil es sich manchmal so anfühlte, als hätten wir die Rollen vertauscht. In meinem Kopf gab es ein klares Bild davon, wie geistliche Leitung in einer Ehe aussehen sollte. Und genau dieses Bild führte mich Schritt für Schritt in eine tiefe Frustration.
Je mehr ich versuchte, Dinge zu „korrigieren“, desto mehr entfernten wir uns voneinander. Ich machte Druck – und mein Mann zog sich immer weiter zurück. Ich kaufte ihm christliche Bücher, empfahl ihm Autoren, schickte ihm Podcasts. Alles aus dem Wunsch heraus, dass sich etwas verändert.
In meinem Herzen lag eigentlich immer andere Frage: Wie schaffe ich es, dass mein Mann mich geistlich leitet? So hatte ich es schließlich gelernt: Gemeinsames Bibellesen, zusammen beten, geistliche Gespräche führen, vielleicht sogar einen Hauskreis leiten – all das sollte von der Initiative des Mannes ausgehen.
Ich kann mir vorstellen, dass viele Frauen diese Frustration kennen. Manchmal, wenn ich Frauen zuhöre, höre ich zwischen ihren Worten diesen Schmerz – und diesen tiefen Wunsch nach einem geistlichen Mann: einem Mann, der wachsen möchte, der Initiative ergreift, der geistlich vorangeht.
Vieles hat sich in unserer Ehe verändert, als ich geistliche Leitung neu verstand. Ich merkte, dass ein großer Teil meines Schmerzes gar nicht von meinem Mann und seiner Art zu sein kam – sondern davon, dass ich ein falsches Bild von geistlicher Leitung in mir getragen hatte. Darum geht es heute - und als erstens müssen wir uns fragen:
Wie beschreibt die Bibel "geistliche Leitung"?
Die Bibel sagt klar, dass Männer ihre Frauen lieben sollen (Epheser 5) und dass sie ihre Frauen achten und ehren sollen (1. Petrus 3,7). Außerdem sagt sie, dass der Mann das Haupt der Familie ist, so wie Christus das Haupt der Gemeinde ist (Epheser 5,23) und dass die Frau ihren Mann untertan sein soll. Aber was genau das im Alltag für unsere Ehe bedeutet, bekommen wir nicht in allen Details erklärt. Obwohl die Bibel klar über Verantwortung und geistliche Reife des Mannes spricht, (Liebe wie Christus lieben, Verantwortung übernehmen, Schutz, Fürsorge, geistliche Richtung geben) legt sie nicht detailliert fest, dass er z. B. immer Gebet oder Bibellese in der Familie anleiten muss. Diese Erwartung kann manchmal eher aus Kultur oder Tradition kommen als direkt aus der Bibel selbst.
Sehr oft, wenn wir in der Bibel etwas lesen, dass nicht in Detail erklärt ist, sind wir in der Gefahr, unsere eigenen Erwartungen und Vorstellungen hinzuzufügen, wie Leitung in der Ehe „aussehen sollte“ – und manchmal entsprechen diese gar nicht dem, was Gott für uns vorgesehen hat. Ich bin heutzutage fest davon überzeugt, dass es Freiheit gibt, wenn wir uns beide vom Heiligen Geist leiten lassen und uns seine Führung untertan sind, um zu erkennen, wie geistliche Leitung ganz individuell in unsere Ehe aussehen kann. Ich musste selbst einen Schritt zurücktreten und mich fragen: „Erwarte ich von meinem Mann Dinge, die Gott gar nicht von ihm erwartet?“
In unserer Gesellschaft wird Leitung oft mit Macht und Kontrolle gleichgesetzt – immer die Initiative zu haben, alles zu bestimmen, den Ton anzugeben. Oft trägt der Mann dieses „Vorrecht“ – aber gleichzeitig auch die Last, die damit verbunden ist.
Biblische Leiterschaft hingegen hat nur sehr wenig mit Macht oder Kontrolle zu tun. Sie bedeutet:
Mit anderen zu gehen und sie auf ihrem Weg zu begleiten.
Zu dienen und die Bedürfnisse anderer im Blick zu haben.
Durch das eigene Beispiel zu leiten – durch Charakter, Geduld und Hingabe.
Orientierung und Wegweisung zu geben, ohne zu drängen oder zu kontrollieren.
Geistliche Leitung hängt nicht zuerst von sichtbaren Aktionen ab – wie Bibelstudien leiten, Initiative beim Bibellesen oder Gebet oder bestimmte Rollen in der Gemeinde zu übernehmen. Wir können all dieses tun und dennoch weit ab vom Herzen Gottes sein. Geistliche Leitung beginnt im Herzen, nicht zuerst mit einer Methode. Dein Mann braucht nicht außergewöhnliches Charisma, viel biblisches Wissen oder auffällige Stärke, um ein geistlicher Führer zu sein. Das Fundament ist Demut, Aufopferungsbereitschaft und ein dienendes Herz. Jesus beschreibt es so: Wer der Größte sein will, der diene dem anderen. Und er lebte es selbst vor – als er die Schüssel mit Wasser nahm, sich hinkniete und die Füße seiner Jünger wusch.
Genau diese Eigenschaften habe ich in meinem Mann wiedergefunden. Ein Mann, der mir dient, der bereit ist, sein eigenes Wohl zurückzustellen, der – wenn es darauf ankäme – sogar sein Leben geben würde. Keiner korrigiert mich mit so viel Liebe wie mein Mann. Keiner unterstützt mich so treu und hält mir den Rücken frei wie er.
Natürlich braucht Gott Männer, die es lieben, auf der Bühne zu stehen, Hauskreise zu leiten und Initiative zu ergreifen – das ist genauso gut, richtig und biblisch. Geistliche Leitung kann sehr unterschiedlich aussehen, abhängig von den Gaben und der Berufung, die Gott jedem Menschen gegeben hat. Wir dürfen uns lösen von der Vorstellung, dass geistliche Leiterschaft nur dann „echt“ ist, wenn sie nach außen sichtbar ist..
Es gibt verschiedene Arten von Leiterschaften
Genau so wie es in Gemeinden, Führungskräften und Unternehmen unterschiedliche Leiterschaften geht, so gibt es in der Ehe unterschiedliche Arten von Leiterschaft. Visionäre und administrative Leiter. Visionäre Leiter sind oft diejenigen, die Ideen, Ziele und Pläne für Wachstum im Glauben entwickeln. Ich selbst bin zum Beispiel eher die visionäre Leiterin in unserer Ehe. Ich kaufe die Bücher, ergreife die Initiative für Familienmissionen – und mein Mann unterstützt mich dabei, gib seine Meinungen die oft so viel logischer und klarer sind und erstellt ein Excel, damit alles übersichtlich bleibt. ;) Ich bin gut darin, Dinge anzufangen – er ist gut darin, sie zu Ende zu bringen. Ich bringe die Ideen, er sorgt dafür, dass sie umgesetzt werden.
Mein Mann ist ein administrativer Leiter. Bibelstudien zu leiten ist nicht seine natürliche Form – aber er unterstützt sie, weil er will, dass geistliches Wachstum Raum hat. Und ich habe gelernt: Auch das ist geistliche Leitung. Leitung bedeutet nicht nur vorne stehen. Manchmal bedeutet Leitung, den Boden zu bereiten, auf dem andere wachsen können. Er kommt vielleicht nicht auf all die Ideen, die mir einfallen, und er ergreift nicht immer die Initiative – aber er steht immer fest hinter mir. Ich musste lernen, dass ich die Initiative ergreifen kann. Ich musste lernen, dass ich auch geistlich leiten darf, denn jeder Christ ist berufen, geistlich zu leiten. Heutzutage bin ich nicht mehr ärgerlich darüber, dass er nicht die Ideen hat oder die Führung übernimmt, sondern freue mich über seine Bereitschaft mitzuleiten – auf seine eigene Art und Weise.
Du siehst, beide Arten von Leiterschaft sind wertvoll und notwendig. Vielleicht bist du die visionäre Leiterin, die Ideen und Pläne entwickelt, während dein Mann der administrative Leiter ist, der unterstützt, begleitet und vieles hinter den Kulissen möglich macht. Vielleicht ist es bei euch aber auch umgekehrt – eher in traditionelleren Rollen. Beides ist echte geistliche Leitung – nur auf unterschiedliche Weise. Und wenn wir das erkennen, können wir gemeinsam im Geist wachsen und einander tragen, ohne Druck oder Frust.
Gib deinen Mann Gnade, um zu wachsen
Viele Männer hatten leider kein gutes Vorbild dafür, was es bedeutet, geistlich zu leiten. Das ist eine Realität, die wir nicht ignorieren können. Viele Männer sind „Erst-Generation“-Christen – sie haben nie wirklich gesehen, wie geistliche Leitung im Alltag gelebt wird. Deshalb wissen sie oft gar nicht, was geistliche Leitung konkret bedeutet oder wie sie sie praktisch ausleben können.
Dann passiert häufig eines von zwei Dingen:
Die Männer bleiben passiv und wissen nicht, wie sie Verantwortung übernehmen sollen oder wie sie überhaupt anfangen sollen.
Aus ihrem Eifer, alles richtig zu machen und ja nichts falsch zu machen, geraten sie schnell ins andere Extrem. Sie versuchen, mit Druck die Familie zu führen, setzen Regeln oder zwingen zu Familienandachten – das ist keine geistliche Leitung, das ist Druck und Kontrolle und endet meistens in Gesetzlichkeit und in viel Schmerz bei der Familie.
Dein Mann wird höchstwahrscheinlich nicht so leiten, wie du es dir vorgestellt hast oder wie man es dir vielleicht gesagt hat – denn wir heiraten keine Ideale, sondern Menschen aus Fleisch und Blut: mit Fehlern, aber auch mit Stärken. Gib deinem Mann Gnade, um zu wachsen. Weise – vom Geist geleitet – darauf hin, wenn du merkst, dass sich Passivität oder Aggressivität in seine Art zu leiten einschleicht. Ohne zu manipulieren. Ohne zu unterdrücken. Ohne moralische oder geistliche Überheblichkeit.
Sei bereit, auch deine eigenen blinden Flecken und deinen Eifer korrigieren zu lassen. In diesen Prozess habe ich persönlich meinen Mann viel um Vergebung bitten müssen für meine geistliche Überheblichkeit und meinen Eifer, die ihm sehr verletzt haben.
Bemühe dich, die einzigartige Art der Führung deines Mannes hervorzuheben – sie wird anders aussehen als bei andere Männer, sei ok damit und höre auf, deinen Mann mit andere zu vergleichen. Ermutige ihn. Lobe ihn. Ehrliches Lob bringt unsere Männer an Orte, die ständige Kritik niemals erreichen wird.
Wenn du die visionäre Leiterin bist, dann teile deine Ideen, Gedanken und auch deine Besorgnisse mit ihm – und sucht gemeinsam nach Lösungen.
Ihr seid ein Team. Ihr geht diesen Weg gemeinsam. Jeder trägt mit seinen Gaben zum gemeinsamen Wachstum im Glauben bei. Die Gaben, die Gott euch gegeben hat, sind Geschenke – nicht, um gegeneinander eingesetzt zu werden, sondern um euch gegenseitig zu ergänzen und euch gegenseitig zu segnen.
Wie ich ganz am Anfang gesagt habe: Es geht nicht darum, Passivität oder geistliche Faulheit zu unterstützen oder zu ermöglichen. Es geht auch nicht darum, dass du den „ganzen geistlichen Haushalt“ alleine trägst oder überverantwortlich bist. Es geht darum zu verstehen, dass wir beide geistlich leiten jeder nach seinen Fähigkeiten, Gaben und Persönlichkeiten, die Gott uns gegeben hat.
Extra-Tipp für meine Single-Leserinnen:
Wenn du Single bist und dir ein gottesfürchtiger Mann wichtig ist, können dir diese Fragen helfen, weise hinzuschauen – ohne aus einem Mann ein geistliches Projekt zu machen.
Hat er eine persönliche Beziehung zu Jesus und pflegt er diese?
Würde er zum Gottesdienst gehen – auch ohne dich?
Würde er sich aktiv in einem Dienst engagieren, auch ohne dich?
Gibt es in seinem Leben sichtbare Frucht (Freude, Selbstkontrolle, Liebe)?
Behandelt er andere mit Liebe und Respekt – besonders dann, wenn niemand zusieht?
Hat er Freunde in seinem Leben, die ihn geistlich herausfordern dürfen?
Jeder Christ – ob Frau oder Mann – ist berufen, geistlich zu leiten. Nicht nur Männer. Und diese Leitung darf unterschiedlich aussehen – anders als bei anderen Männern, als bei andere Frauen. Das Wichtigste ist nicht, dass dein Mann dich leitet. Das Wichtigste ist, dass Gott deinen Mann leitet.
Ressourcen für Vertiefung:
Buch: Spiritual Mismatch




Liebe Janice, endlich konnte ich eine neue Sichtweise gewinnen. Ich weiß, dass uns dieser Beitrag weit bringen wird. Ich habe das Thema nie angesprochen, weil ich merkte, dass ich es nicht auf geistlicher Art schaffen würde. Jetzt freue ich mich, dran zu gehen. Danke für deine Offenheit.😊