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5 Dinge über "Stille Zeit" die dir niemand gesagt hat

Aktualisiert: 20. Jan.

Wenn ich viele von euch fragen würde, was auf eurer To-do-Liste fürs neue Jahr steht und welche Ziele ihr euch gesetzt habt, bin ich mir ziemlich sicher, dass bei den meisten Ähnliches auftaucht: mehr Zeit mit Gott verbringen, einen gesünderen Lebensstil führen und weniger Zeit am Handy sein.


Das Ziel, mehr Zeit mit Gott zu verbringen, verbinden wir in den meisten Fällen mit die sogenannte „Stille Zeit“. Ein Konzept, das jedoch stark aufgeladen ist – und bei vielen weniger Freiheit als vielmehr Druck erzeugt. Nicht selten entstehen Schuldgefühle, wenn wir dieses sorgfältig formulierte Ziel mit Eifer nicht erreichen, wie wir glauben, dass wir es sollten. Dass unsere „Zeit mit Gott“ immer wieder scheitert, hat nicht unbedingt mit fehlender Motivation zu tun. Viel häufiger liegt es an zu unrealistischen Erwartungen, an fehlender Struktur im Alltag – und leider auch an einem verzerrten oder zu engen Verständnis davon, was „Stille Zeit“ überhaupt ist.


Ich möchte dir heute ein paar Gedanken mitgeben, die dir mehr Freiheit schenken sollen als Druck. Ich glaube, dass es einen besseren Weg gibt, Gott kennenzulernen, als durch Schuldgefühle und Pflichtgefühle.


Der Begriff „Stille Zeit“ taucht so nicht in der Bibel auf.

Der Begriff „Stille Zeit“ steht so nicht in der Bibel. Er tauchte erstmals in evangelikalen Traktaten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts auf und wurde besonders durch die großen Evangelisationsbewegungen der 1940er, z. B. durch Billy Graham, verbreitet. Frühe Christen kannten diese Form der privaten, täglichen Andacht nicht. Stattdessen pflegten sie die Morgenwache, eine oft gemeinschaftliche Praxis, bei der sie sich morgens zum Gebet, Bibellesen und Lobpreis trafen.

Das heißt nicht, dass „Stille Zeit“ falsch ist. Aber es heißt: Sie ist ein Weg, nicht der Weg. Ein Geschenk, kein Maßstab. Eine Sprache unserer Zeit für die Sehnsucht nach Gottes Gegenwart. Wenn wir wissen, dass „Stille Zeit“ ein Konzept unserer Zeit ist und dass frühe Christen geistliches Wachstum auf einer anderer Art und Weise gefördert und gelebt haben, hilft uns das zu verstehen: Es gibt nicht „den einen richtigen Weg“. Unser Glaube wird nicht dadurch gemessen, wie richtig wir eine Methode einhalten. Wir können entspannter und kreativer werden, Gott zu suchen.

Stille Zeit ist nicht das Ziel. Gott kennen zu lernen ist das Ziel.

Spür einmal in dich hinein, was in dir passiert, wenn du das Ziel „Stille Zeit“ loslässt – und es ersetzt durch „Gott kennen lernen“. Was verändert sich?

Wenn ich das auf mich wirken lasse, spüre ich Weite. Freiheit. Entlastung. Ich merke plötzlich: Gott kennen zu lernen ist so viel mehr als ein festes Zeitfenster am Tag.

Auf einmal wird mein ganzes Leben zu einem Ort der Begegnung. Meine alltägliche, sich wiederholende, manchmal langweilige Routine wird zur Einladung, meinen Schöpfer zu entdecken. Gott lässt er sich nicht nur in der Stille finden, sondern auch in der Natur, in Gesprächen, im Spielen mit unseren Kindern, in Anbetungszeiten, durch einen Podcast, durch Musik.  Das heisst dann auch, wenn ich meine Bibel aufschlage, frage ich mich nicht zuerst: Was muss ich tun? Was muss ich ändern? Wer muss ich als Christ sein? Die erste Frage ist immer: Was offenbart mir dieser Text über Gottes Herz, sein Wesen, sein Wirken? Denn echte Veränderung beginnt nicht bei Regeln oder Pflichten – sie beginnt, wenn wir Gottes Herz kennen lernen.

Verstehe, wie du gestrickt bist.

Ich bin ein freiheitsliebender Mensch. Ich weiß, dass ich immer mit der Tendenz zu kämpfen haben werde, zu locker und zu flexibel mit meiner Zeit mit Gott umzugehen. Und ich darf lernen, mir einen festen Rhythmus und eine gewisse Struktur zu geben weil ich weiß, dass geistliche Tiefe und Wachstum in meiner Beziehung zu Jesus nie zufällig entstehen. Sie wachsen dort, wo ich bewusst Raum schaffe. Das kostet mich etwas. Vielleicht bist du ganz anders gestrickt. Vielleicht bist du jemand, der Regeln liebt, der sich gerne an Vorgaben hält – und der in Gefahr steht, sich selbst hart zu verurteilen, wenn er es einmal „nicht geschafft“ hat. Zwischen Flexibilität und Rigorosität braucht es ein gesundes Gleichgewicht. Ein Gleichgewicht, das nicht Leistung heißt, sondern Gnade und Hingabe. Wir leben aus Gnade. Gott ist gnädig zu uns und wartet nicht mit erhobenem Zeigefinger bis wir die nächste Bibellese verpassen. Und wir antworten auf diese Gnade mit Hingabe. Wir geben ihm unser Bestes hin, unsere Zeit, unser Herz – nicht aus Angst, sondern aus Liebe. Jede Zeit mit Gott beginnt mit Liebe zu Gott.

Stille Zeit muss tragfähig sein für deine Lebensetappe

Wo ich – und ich vermute, viele von euch – immer wieder scheitere in dem ehrlichen Vorsatz, mehr Zeit mit Gott zu verbringen, ist nicht mangelnde Liebe zu Gott, sondern mangelnde Realitätsnähe. Wir setzen uns geistliche Ziele, die nicht zu unserer aktuellen Lebensetappe passen. Und oft kommt noch etwas dazu: Wir glauben tief in uns, dass Gott genauso hart, fordernd und unnachgiebig ist wie die Maßstäbe, die wir uns selbst auferlegen. Dass er enttäuscht ist, wenn wir es „nicht schaffen“. Dass er mehr erwartet, als wir geben können. Doch Gott ist nicht so unbarmherzig wie unser innerer Antreiber.

Wir müssen verstehen – und uns das auch akzeptieren –, dass sich unsere Zeit mit Gott von Lebensphase zu Lebensphase verändert. Der Kern bleibt derselbe: Gott suchen, ihm Raum geben, mit ihm leben. Aber die Form wird sich verändern, weil unser Leben durch Veränderung geprägt ist. Mein Leben ist nicht mehr so wie vor zwei Jahren – deins wahrscheinlich auch nicht. Zeit mit Gott darf sich den Veränderungen unseres Lebens anpassen, nicht andersherum. Dazu gehört, dass deine „Stille Zeit“ anders aussehen wird als die deiner Freundin oder einer Influencer:in die du gerne folgst oder vielleicht anders, als was von der Kanzel gepredigt wird. Und das ist kein geistliches Versagen, sondern Ausdruck von Ehrlichkeit.

Für eine Mama ist es nicht geistlicher, sich nach einer unterbrochenen Nacht um 5 Uhr morgens zum Gebet zu zwingen, wenn sie dadurch erschöpft, gereizt und weniger liebevoll wird. Manchmal ist Schlaf die geistlichere Entscheidung. Gott wird dadurch nicht mehr geehrt. Er sieht das Herz – und er kennt unsere Grenzen oft besser als wir selbst.

Für Mamas heißt „Stille Zeit“ vielleicht eher „laute Zeit“: die Bibel-App in einer Hand, ein schlafendes Baby im Arm – und trotzdem ein Moment mit Gott. Für Singles kann diese Lebensphase eine Einladung sein, tiefer in die Beziehung zu Gott zu investieren – Hauskreise zu besuchen, einen Bibelkurs zu machen, Zeit im Gebet zu verbringen.

Arbeite mit deiner Lebensetappe, nicht dagegen!

Gott geht es nicht um eine Methode, sondern um unsere Herzenshaltung:

Seine Einladung gilt jeden Tag, jede Minute: "Bleib in mir". Zeit mit Gott passiert nicht nur in der stillen Andacht am Morgen, im neuesten Andachtsbuch oder einem Instagram-Moment – sie passiert auch beim Windelwechseln, beim Kaffee für dich allein, im Gespräch mit einer Freundin, beim Staubsaugen, beim Lachen deiner Kinder.

Jeder Moment kann ein Moment sein, in dem du dich ihm zuwendest. Gott finden wir nicht nur in der Perfektion der Methode, sondern in der Wahrheit unseres Herzens, in der Ehrlichkeit unserer Sehnsucht und in der Bereitschaft, ihm zu begegnen, hier und jetzt.



Zur Freiheit berufen


 
 
 

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