top of page

Gute Dinge, die Gott nicht von dir verlangt

  • Autorenbild: Janice Unruh
    Janice Unruh
  • 9. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

Seit einiger Zeit habe ich mich über einen Schauspieler geärgert, der sein neuestes Lied veröffentlicht hat. Ich sagte zu meinem Mann: „Warum glauben eigentlich alle Schauspieler, dass sie auch Sänger sein können – und woher kommt die blendende Idee bei Sängern, dass sie automatisch gute Schauspieler sein müssten?“ Natürlich ist das stark verkürzt gedacht, und Hollywood ist komplexer als solche Schubladen. Mit all dem Druck, den Kontakten und den Followern hat Erfolg oft weniger mit Berufung zu tun, sondern mehr mit Sichtbarkeit, Marketing und dem Drang, relevant zu bleiben. Und doch blieb dieser Gedanke bei mir hängen:

Nicht alles, was gut ist, muss von jedem gemacht werden.

Bei all dem, was mir am wenigsten gefiel, fiel mir auf, dass ich diesem Schauspieler ähnlicher bin, als mir lieb ist – nur auf einer geistlichen Ebene. Vor einer Woche bin ich 29 geworden, und wie jedes Jahr mache ich einen Rückblick mit entsprechenden Lektionen für jedes Lebensjahr. Den Blog findest du hier. Nummer 7 lautete:

„Es gibt GUTE Dinge, die ich im Namen Jesu getan habe, die Gott nicht von mir verlangt hat.“

Ich könnte einige Beispiele aus 2025 nennen, bei denen ich rückblickend genau weiß: Es war nicht Gottes Auftrag zu dieser Zeit, obwohl es gut war – ja, sogar biblisch begründbar.

Vielleicht denkst du jetzt: „Was ist so schlimm daran? Geht es nicht genau darum, so viel Gutes wie möglich zu tun?“ Bevor wir diese Aussage vorschnell treffen, lohnt es sich, ein paar Punkte zu bedenken.


  1. Not ist nicht gleich Aufgabe. Wir werden mit Nöte, Lücken, Versäumnisse, unterlassenes Gut in Gemeinde, Gesellschaft und Familie immer konfrontiert sein. Aber nicht jede Lücke ist ein Auftrag, nicht jedes Versäumnis anderer wird zu meiner Verantwortung und nicht jede Not ist gleich eine Aufgabe.


  2. Gutes zu tun, das Gott nicht von uns verlangt, endet fast immer in Frust. Oft tun wir Dinge im Namen Jesu, weil wir glauben, dass Gott es erwartet – oder weil ein guter Christ das so tun würde. Martha ist dafür ein klassisches Beispiel: Sie glaubte zu wissen, was Gott von ihr verlangte, obwohl kein klarer Auftrag von Jesu ausgegangen war. Sie arbeitete sich ab, bis sie frustriert und müde Jesus anklagt und sich über ihre Schwester ärgerte. Immer, wenn diese Dynamik auftaucht – Frust, Ärger über Gott oder die Menschen um uns herum –, ist es ein Zeichen, innezuhalten. Vielleicht tun wir gerade mehr, als Gott eigentlich von uns will.


  3. Nicht nur wir selbst brennen aus in unseren Eifer, Gutes zu tun – in meiner Erfahrung geraten dabei oft die Menschen unter die Räder, die uns am nächsten stehen: Ehemann, Kinder, Familie, Freunde, Gemeinde. Wie viele Kinder leiden darunter, dass ihr Vater Zeit für alles hat – nur nicht für seine eigenen Kinder? Eine junge Frau hat einmal zu mir gesagt: „Die Kirche hat mir meinen Vater geraubt.“

    Dieser Satz bleibt tief im Herzen. Er zeigt, wie schmerzhaft es sein kann, wenn geistliche oder andere Verpflichtungen wichtiger genommen werden als die Nähe und Präsenz bei denen, die uns am meisten brauchen.

    Ein Filter, den ich mir bewusst zu Herzen genommen habe, lautet:

    Meine Arbeit im Reich Gottes ist nur so gesund wie meine Ehe zu Hause.

    Das klingt vielleicht unbequem, aber es ist ehrlich. Wenn ich merke, dass ich ständig ungeduldig oder gereizt bin, dass mir Kraft fehlt – nicht nur körperlich, sondern auch mental – um für die Menschen, die mir nahestehen, präsent zu sein, dann ist das für mich kein Zeichen, „mehr geistlich kämpfen“ zu müssen. Vielmehr ist es ein Signal, meine Arbeit, mein „Gutes“, mein Herz zu prüfen, ob ich wirklich das tue, was Gott von mir verlangt.


  1. Zu wissen, wozu wir berufen sind, schützt unser Herz vor Neid. Wenn wir verstehen, welches Gute Gott uns anvertraut hat – und welches nicht – können wir anderen ihren Platz lassen, ohne uns zu vergleichen oder zu wünschen, wir hätten dasselbe. Es bewahrt uns davor, Frust oder Eifersucht auf das zu entwickeln, was Gott anderen gegeben hat.


Spannenderweise hatte Paulus dies sehr klar vor Augen. In 1. Korinther 1,19 beschreibt er deutlich sein „Gutes“, zu dem er berufen ist – und gleichzeitig das „Gute“, zu dem er nicht berufen wurde:

„Denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu predigen.“

Was für eine geistliche Reife: zu wissen, welches Gute Gott mir anvertraut hat und welches nicht. Dieses Bewusstsein schützt vor Überforderung, Frust und dem Versuch, Aufgaben zu übernehmen, die nicht in Gottes Plan für mich liegen. Zu wissen, welcher Platz nicht meiner ist, ist mindestens genauso wichtig wie zu wissen, wo ich hingehöre.


Meine Liste der guten Dinge, die ich gerade nicht tun soll, ist lang. Ich sehe Nöte, Schmerz, Möglichkeiten und Lösungen. Und ja, es gibt vieles, wo mein Herz sagt: „Hier könnte ich eingreifen.“ Aber einige Nöte sind noch nicht meine Aufgabe – und das ist in Ordnung. Gleichzeitig gibt es Nöte, die mir wirklich anvertraut sind. Diese will ich treu und bewusst tun. Nicht mehr, nicht weniger.


Bevor du weiter in dieses Jahr startest, nimm dir Stift und Papier zur Hand. Bete und versuche dann, diesen Satz für dich selbst zu vervollständigen:

„Christus hat mich nicht gerufen, zu __________, sondern zu __________.“

Lass ehrlich vor dir selbst aufschreiben, wozu Gott dich wirklich berufen hat – und wozu nicht.


Zur Freiheit berufen

Maria und Martha mit Jesus
Maria und Martha mit Jesus



 
 
 

Kommentare


Du hast Fragen und würdest gerne dein Anliegen mit mir teilen?
Ich freu mich von Dir zu hören. 

  • Instagram
  • WhatsApp

Kontakt

Danke für ihre Nachricht !

©2026 Free Indeed. Datenschutz / Cookies und Impressum

bottom of page