Warum Seelsorge und Beratung sinnvoll sind (Teil 2)
- Janice Unruh

- 27. Nov. 2023
- 3 Min. Lesezeit
Hast du gewusst, dass die frühen Jahre deines Lebens erstaunlich prägend waren? Merkwürdig, oder? Die Zeitspanne, an die du dich kaum erinnerst, hat tiefgreifenden Einfluss auf dein Leben genommen. Die Psychologin Stefanie Stahl erklärt, dass die Kindheitsprägungen, die unser Wesen und Selbstwertgefühl maßgeblich beeinflussen, einen Persönlichkeitsanteil formen und in der Psychologie als „das innere Kind“ bekannt sind. Hier treffen positive und negative Prägungen zusammen, die wir durch Eltern und andere bedeutende Bezugspersonen in unserer Kindheit erfahren haben.
Erinnerst du dich an Billy Graham? Ein herausragender Evangelist des 20. Jahrhunderts. Nach seiner „Los Angeles Crusade“, wo über Monate Evangelisationen stattfanden, wurde er nicht nur national, sondern auch international bekannt. So begann seine weltweite Tätigkeit.
Lass mich heute von seiner Tochter Ruth erzählen. Ihre bewegende Geschichte über ihre Erfahrungen als Tochter eines weltweit bekannten Vaters teilt sie in ihrem Buch und auch in einem Interview bei Life Today. Sie sagt: „Ich musste meinem Vater vergeben, weil ich mich verlassen fühlte, da er so viel unterwegs war.
"Ich sehnte mich nach einem Papa, der mir das Fahrradfahren beibringt und der mich abends ins Bett bringt. Verlassensängste begleiteten mich, und ich suchte nach Sicherheit. Auch wenn ich behauptet hätte, dass Jesus meine Sicherheit war, so war das in den tiefsten, geheimen Bereichen meines Herzens nicht wahr. Ich suchte nach einem Mann, der mir Sicherheit vermitteln konnte.“
Trotz des Wissens, dass Jesus ihre Sicherheit war, ist Ruth an einen Punkt gelangt, an dem sie sich fragte: Was passiert hier eigentlich? Wieso scheitern meine Ehen immer wieder?"
Diese frühkindliche Erfahrung, dass Papa oft nicht da war, weckte in Ruth eine starke Sehnsucht nach Anerkennung – sie wollte gesehen werden. Diese Sehnsucht versuchte sie bei Männern zu stillen, was zu vier gescheiterten Ehen führte. Dabei wusste sie eigentlich, dass Jesus diese Leere füllen konnte.
Ruths Erfahrungen und Verletzungen aus ihrer Vergangenheit haben tiefe Glaubenssätze hinterlassen. Auch du und ich tragen eine Vergangenheit in uns. Diese beeinflusst uns auf vielfältige Weise und hinterlässt oft Wunden, die unser Handeln prägen. Obwohl wir die Wahrheit über Jesus kennen – dass er unsere Sehnsüchte stillen kann – brechen oft die Glaubenssätze aus der Vergangenheit durch und beeinflussen unser Leben.
Vielleicht denkst du, „Ich bin nicht gut genug, deshalb hat mich diese bedeutende Person verlassen“, oder, „Keiner ist wirklich für mich da“, „Ich bin schlecht, weil ich dieses einfach nicht auf die Reihe kriege“, „Wer würde mich überhaupt lieben, wenn sie das schlimmste von mir wüssten?“, „Ich habe so versagt in der Gesellschaft, für mich gibt’s niemals wieder eine Chance“.
Obwohl wir wissen, dass Jesus anders über uns denkt, nisten sich diese Lügen, die sich oft von Kindheit an gebildet haben, ganz langsam und leise in unser Leben ein. Glaub mir, sie beeinflussen unser Leben – denn das, was sich in unser Herz und Gedanken einschleicht und sich "zu Hause macht" entscheidet über unser Leben (Sprüche 3,23).
Bedeutet das, dass all unsere Probleme, Konflikte und Sorgen auf unsere Kindheit zurückzuführen sind? Ich denke, wir sollten uns mit unserer Kindheit auseinandersetzen, mit den Prägungen aus dem Elternhaus, den Verletzungen und den gestillten sowie ungestillten Bedürfnissen. Doch sollten wir nicht in diesem Punkt verharren – wir sollten nicht in der Opferrolle bleiben. Dennoch dürfen und sollten wir uns die „Schuld“ anschauen, die passiert ist, so wie Ruth, die sich daraufhin auf einen Vergebungsprozess eingelassen hat, um ihren Vater zu vergeben.
Der Wert von Seelsorge und Beratung besteht darin, sich mit diesen grundlegenden Gedanken und Glaubenssätzen zu beschäftigen und herauszufinden, welche Glaubenssätze das Leben des Ratsuchenden bestimmen.
Welche Lügen werden geglaubt, welche hohen Ansprüche strebt er an und warum? Indem diese aufgedeckt werden, können sie mit der Wahrheit Gottes ersetzt werden, und man kann erleben, wie die Fesseln der Lügen abfallen und die Wahrheiten im Leben geglaubt werden können.
Liebe Leser, liebe Leserin, wenn du dich mit dieser Thematik beschäftigst, möchte ich dich erinnern, dass Gott es gut mit dir meint und gut über dich denkt, denn du „bist sein geliebtes Kind“ (nach Epheser 5,1).
Fragen zur Reflexion:
Was schätze ich an meinen Eltern? Was hat mir gefehlt?
Wenn ich meine Kindheit mit drei Worten beschreiben müsste, kommen mir die folgenden in den Sinn……….
Welches Gottesbild wurde mir von meinem Elternhaus vermittelt? (Beispiele: Gott ist streng, gerecht, liebevoll, achtsam, an meinem Leben interessiert, Vater, interessiert sich nicht für mein Leben…)
Welche Erfahrungen (im Elternhaus oder in der Gesellschaft) haben mich tief geprägt? Welche Glaubenssätze sind dadurch entstanden?
Wie sehe ich mich selbst? (Einige Beispiele: Ich schätze, wer ich bin; ich bin oft sehr negativ mir selbst gegenüber; ich habe hohe Ansprüche; ich vergleiche mich sehr oft; ich fühle mich minderwertig; ich kann mich an mir selbst erfreuen; ich bin froh über alles, was ich geschafft habe…)
Bitte Gott im Gebet, Dir seine Wahrheiten über Dich zu offenbaren!




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